Talk mit Harald Kunstmann
Shownotes
Direkt vom Karlsruher Institut für Technologie Physiker und Hydrologe Prof. Harald Kunstmann.
Er versteht das Klima in fast allen Aggregatszuständen – und berechnet alles, was fließt, verdunstet, gefriert oder versickert – aber wie lange fließt’s noch so weiter bei uns in den Alpen? Denn Klimawandel heißt in seiner Disziplin ganz konkret: neue Wasserkreisläufe, neue Risiken, neue Antworten.
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00:00:00: Wir sind wieder hier auf an Küki, der Klima-Küki.
00:00:04: Kurz knapp klimafreundlich!
00:00:06: Der Podcast im Nachgang zum Alpenklimagipfel, zwanzig fünfundzwanzig gibt jede Woche eine neue Ausgabe mit mir.
00:00:14: ich bin die Kathi Hager und ich darf in diesem Podcast Expertinnen aus dem Fachgebiet in ihrem entsprechenden Fachgebet, wenn es um Klimawandel und Klimaforschung geht.
00:00:28: Bei mir hier begrüßen und in fünfzehn Minuten drüber plaudern.
00:00:33: Fünfzehn Minuten will er mal sagen.
00:00:35: das ist auch so bis ich die akademische Viertelstunde und auch passend zu meinem heutigen Gast.
00:00:42: Er versteht das Klima in fast allen Aggregatszuständen und berechnet auch alles, was fließt, verdunstet, gefriert oder versichert.
00:00:51: Aber die große Frage ist – und der werden wir jetzt nachgehen – wie lange fließts denn noch so weiter bei uns in den Alpen?
00:00:57: Denn der Klimawandel heißt in seiner Disziplin ganz konkret neue Wasserkreisläufe, neue Risiken, neue Antworten.
00:01:06: Direkt vom Karlsruher Institut für Technologie von Campus Alpine in Garmisch-Partenkirchen.
00:01:11: Physiker & Hydrologer Prof.
00:01:15: Harald Kunstmann.
00:01:16: Servus!
00:01:16: Dankeschön für die Einladung.
00:01:18: Ja, sehr gerne.
00:01:19: Schön dass du da bist und weil wir gerade beim Du sind... Wir sind ja hier auf dreitausend Metern fast drei tausend Meter auf der Zugspitze und das noch dazu auf Tiroler Seite.
00:01:30: und in Tirol ab tausenden Metern gibt es ein bisschen diese ungeschriebene Vereinbarung, was man sieht, tut's?
00:01:36: Diese Vereinbarungen reicht auch nach Bayern hinüber.
00:01:39: Auch hier ist das Du sehr naheliegend.
00:01:41: Das ist schön Lieber Harald, ich starte jede Podcastfolge mit einem Gedankexperiment.
00:01:50: Eine Was-Währe-Wenn-Frage?
00:01:52: Die kann ruhig auch mal etwas verrückter sein und auch ein bisschen utopisch ausschweifen.
00:01:57: Und in deinem Fall in deiner Expertise was wäre wenn Wasser in den Alpen plötzlich zum Luxusgut wird als Luxus gut gehandelt würde und nur wer sich leisten kann bekommt?
00:02:11: Die Frage ist tatsächlich ganz realistisch und gerechtfertigt, denn wir haben gerade in den letzten Jahren vor allem sehr trockene Winter erlebt.
00:02:18: Wir haben auch gemerkt welche Auswirkungen diese trockenen Winter langfristig für den Rests des Jahres noch haben, bis hin zu einem fast ausgetrockneten Gardasee in Italien mit allen entsprechenden Auswirkungen auch auf die Landwirtschaft und auf die Bewässerung der Pro-Region.
00:02:37: Und dieser jetzige vergangenen Winter war extrem schneeharm.
00:02:42: Das wirkt sich jetzt... Anfang Juni immer noch auf die Flusswasserstände in Süddeutschland zum Beispiel aus.
00:02:52: Ich bin hier am Campus Alpine des Karlsruin-Südfer Technologie.
00:02:56: Ich bin aber tatsächlich für meine Forschung auch in sehr vielen anderen Regionen weltweit unterwegs.
00:03:02: Speziell auch im globalen Süden, dem sogenannten Globalen Südde, in Ländern wie Äthiopien und Sudan ist ja auch ein Gebirgsland, ein Hochland.
00:03:11: Und auch wo immer ich hinkomme – in vielen Regionen Weltweit muss man tatsächlich sehen Wenn Wasser privatisiert wird und wenn Wasser teuer wird dann leidet zuerst die Arme Bevölkerung.
00:03:27: Und auch ein privatisiertes Wasser, und wenn es an Luxus gut ist dann wird es letztlich wahrscheinlich auf Privatisierung vielleicht hinauslaufen.
00:03:36: in der hypothetischen Frage trifft tatsächlich erst die schwachen weltweit und auch privatisiertes Wasser ist in der Regel teurer als öffentlich bereitgestelltes Wasser.
00:03:48: Wir sind uns eigentlich in der wissenschaftlichen Gemeinschaft übergeordnet einig – Wasser muss ein!
00:03:54: freies Gut bleiben, ein öffentliches Gut was für alle ausreichend zur Verfügung gestellt wird in ausreichender Menge und Qualität.
00:04:04: Das bedeutet nicht das Wasser kostenlos sein soll.
00:04:08: denn nur wenn auch Wasser einen Preis hat aber einen finanzierbaren Preis für alle dann sind auch Anreize da damit sorgfältig umzugehen.
00:04:18: Wie weit sind wir denn von dieser Situation Wasserknappheit entfernt?
00:04:26: Die alten Berge allgemein gelten ja als das Wasserschlösser, wo also Wasser entsteht und damit auch in allen niedrigelegneren Regionen dann Wasser zur Verfügung gestellt wird.
00:04:36: Das ist hier in den Alpen genauso wie es im Himalaya ist.
00:04:43: Eigentlich sind die Berge grundsätzlich die Regionen, wo Wasser entstehen, weil sie eben hoch sind und weil sich hier die Wolken staun- und Aufwindbewegungen stattfinden.
00:04:54: verbundenen Abkühlung der Luftmassen fällt also der Wasserdropfen dann als Niederschlag letztlich aus.
00:05:00: Aber eben regional, lokal wie auch bei uns diesen Winter wieder kann es eben zu extrem trockenen langfristigen Perioden kommen und die wirken sich dann noch Wochen- und Monate in alle unterliegenden Flussregionen weiter aus mit allen Problemen die zum Beispiel für die Schifffahrt mit der Schiffart verbunden sind, mit der Landwirtschaft.
00:05:27: Mit der Kühlung von Kraftwerken bis hin zur klassischen Wasserversorgung und wir machen uns teilweise wenig Gedanken darüber wo dieses Wasser eigentlich herkommt.
00:05:36: und ein Großteil des Wassers in unseren Flüssen entsteht ursprünglich in den Bergregionen.
00:05:43: Warum ist der Winter der jetzige, so gewesen wäre gewesen ist?
00:05:48: Wir haben eine ausgeprägte langfristige Hochdruckwetterlage gehabt oder mehrere Hochdruckswetterlagen und Hochdruk bedeutet also dass wir eben ja kein Tiefdruckgebiet haben mit dem Niederschläge in der Regel bei uns verbunden sind.
00:06:04: Und wenn diese Hochdrogengebiete sehr lange stehen dann sind eben sehr langfristig Trockenheiten damit verbunden.
00:06:09: das war jetzt speziell für diesen Winter der Grund.
00:06:12: Und das ist auch etwas, was wir in der Forschung noch mehr berücksichtigen müssen – eben diese Länge von Extremen, die aufeinander folgen von Extremem, in diesem Fall mehrere stationäre stabile Hochdruckwetterlagen bis hin zum Phänomen, dass auch die Jahre hintereinander.
00:06:32: sehr trocken sein können und diese aufeinanderfolge von extremen, speziell auch von sehr trocknen Jahren.
00:06:39: Die sind nochmal eine viel größere Belastung einerseits für die Ökosysteme weil weniger Erholungszeit zur Verfügung steht aber am Schluss natürlich auch für uns als Gesellschaft weil wir ja auch dann durch die Trockenheit bedingt weniger Wasser insgesamt zur Verfügung haben eben zur Bewässerung in der Landwirtschaft zur Kühlung zu schiffern usw.
00:06:57: Ganz simpel gefragt.
00:06:59: Inwiefern ist der Klimawandel daran Schuld?
00:07:02: Wir verstehen langsam, woher es kommt, dass diese Wetterlagen persistenter werden.
00:07:07: Also lang anhaltender werden wie wir sagen.
00:07:10: Man muss sich das vorstellen bei uns in der Region.
00:07:13: Wir sind getrieben – wir sind in einer Westwindzone!
00:07:17: Die Luftmassen kommen also über den Atlantik zu uns und nehmen über den Atlantik Feuchtigkeit auf, der sich dann bei uns zum Beispiel gerade auch in den Bergregionen abregnet.
00:07:27: Und dieses Westwind trifft die ist gesteuert von letztlich, von den Temperaturunterschied zwischen dem Pol, dem Nordpol und dem Äquater oder auch unseren mittleren Breiten.
00:07:39: Also je größer diese Temperaturdifferenz ist desto dynamischer passieren eben diese Hoch- und Tiefdruckgebiete unserer Region.
00:07:48: Jetzt ist es so dass der Nordpol sich stärker erwärmt als der Rest des Globus oder vor allem auch unsere mittleren Breiten, weil das Eis wecktaut.
00:07:58: Es ist nicht mehr weiß es ist dann schwarz und braun da Boden.
00:08:02: damit wird mehr Wärme dort gespeichert.
00:08:04: also die Pole erwärmen sich weit stärker als unsere mittleren Breiten.
00:08:08: Das bedeutet die Temperaturdifferenz die er wieder in den Motor darstellt wird kleiner.
00:08:14: Damit wird der Antrieb geringer und damit stehen diese Hochdruckgebiete länger Und damit wird's trockener.
00:08:21: Parallel dazu können aber auch Tiefdruckgebiete länger stehen und dann haben wir eben ganz Ausgiebige noch länger anhaltende Niederschläge.
00:08:28: Und das war zum Beispiel auch eine der Gründe für das Junihochwasser, dass diese Wetterlage damals ein Tiefdrückgebiet viel länger als sonst üblich letztlich über Süddeutschland stand.
00:08:40: Das heißt dadurch entstehen Wetterextreme?
00:08:43: Ja!
00:08:43: Die bisherigen Wetterlagen werden einfach nochmal können ausgeprägter werden.
00:08:49: mit einer globalen Erwärmung ist auch noch mehr Fähigkeit in der Atmosphäre vorhanden, Wasserdampf zu speichern und letztlich kann damit auch pro Ereignis mehr Niederschlag auf den Boden kommen.
00:09:02: Aber es ist tatsächlich das erklärt, warum wir mehr stärkere Eregnisse haben.
00:09:06: aber über diese Dynamik der Hoch- und Tiefdruckgebiete verstehen wir auch, warum nicht alles nur immer mehr regnet sondern warum's eben wenn so ein Hochdruck Gebiet geht auch Perioden trockener und länger trocken werden können
00:09:19: Und das übt sich dann direkt auf uns in unserem Alltag aus, nämlich bei unserem Trinkwasser.
00:09:27: Ja und ja nochmal kurz auf die Alpen zu sprechen zu können.
00:09:30: also das Finnschgau ist eine klassische Region was da so in einem Art Windschatten liegt also eigentlich ein sehr niederschlagsalmer Region und die Bewässerung hier steuert sich ganz stark auch historisch eben durch Schmelzwasser Niederschlag Schnee, der im Winter gebildet wird auch von einzelnen Gletschern und dann langsam Zeit verzögert.
00:09:50: Im Frühjahr oder im Sommer dann flüssig wird und dann zur Verfügung steht um zum Beispiel den Apfelanbau dort zu begünstigen.
00:09:59: Es hat unmittelbare Auswirkungen auf Tourismus, auf Landwirtschaft, auf unseren Alltag.
00:10:04: Das ist eigentlich die zentrale Botschaft, die ich versuche auch zu vermitteln.
00:10:08: Wenn wir von Erwärmung sprechen, globaler Erwährmung fühlt sich das für uns in Deutschland immer etwas kuschelig an.
00:10:15: Wir tendieren ja eher in die wärmeren Regionen, in die mediterranischen Regionen.
00:10:20: Das klingt irgendwie heimlich aber es ist eben nicht... Es ist nicht weil die globale Erwärmung direkt in den Kreislauf des Wassers von der Verdunstung über die Wolke übers Weiterziehen bis da Tropfen wieder am Boden ankommt und wie er sich im Fluss verhält, bis er zum Grundwasser kommt, eben auswirkt.
00:10:38: Und dass hat damit also extreme Auswirkungen in der Veränderung, wo wann wie viel Wasser zur Verfügung steht.
00:10:48: Wenn wir das verstanden haben dann wird eben die Ernsthaftigkeit dieser globalen Erwärmung noch mal viel deutlicher klar als wenn es nur darum geht.
00:10:58: naja es wird etwas wärmer das ist doch ganz schön und das ist eben nicht.
00:11:02: es sind ganz andere Risiken verbunden.
00:11:06: Wir alle lernen schon in der Grundschule den schönen Satz wasser ist leben.
00:11:11: Wenn wir das verstanden haben, wie das Zusammenhang sind wäre vielleicht tatsächlich dem Klimawandel doch wieder etwas aufgeschlossener.
00:11:17: Du hast uns da jetzt ein sehr deutliches Bild gezeichnet, wie der Status quo im Zusammenhang mit dem Klimewandel, der ja durchaus Menschen gemacht ist gerade stattfindet und natürlich – und das ist auch Sinn und Zweck dieser abschließenden Frage.
00:11:37: einer Jeden Podcastfolge habe ich mir.
00:11:40: Es darf im Kleinen anfangen oder es fängt oft in dem Kleinen an und a remove counts, es geht jetzt um den persönlichen Klimaheck.
00:11:49: jeden meiner Gäste frage ich um diese kleine feine Alltagspraxis um dem Klima was Gutes zu tun das man auch weitergeben kann an die Zuhörenden was leicht umsetzbar ist.
00:12:03: Ich bin schon vor vielen Jahren umgestiegen in den regularlyen Strom.
00:12:06: Einerseits vom Anbieter, aber auch sagen wir mal was eine eigene PV-Anlage angeht.
00:12:10: das ist glaube ich sehr gut zu machen.
00:12:12: ein weiteres Beispiel ganz aktuell dieses Jahr waren wir tatsächlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Griechenland versuchen auch ohne Flugzeug nach Athen oder auf die griechische Insel zu kommen.
00:12:26: Ein kleines Abenteuer mit Zug und Bus und Fähre, aber das ist ja auch mal ein Versuch.
00:12:32: Auch klassische Urlaubsdestinationen mal versuchen anders zu erreichen.
00:12:37: Aber wir sehen es auch als kleines Familienabenteuer, aber es ist tatsächlich schon von einem gewissen Klimabewusstsein in der Familie geprägt.
00:12:46: Es ist auch ein kleines bisschen Abenteurergeist in der Family dabei.
00:12:50: Das ist schön!
00:12:50: Im Endeffekt geht's darum, das Beste aus dem zu machen, mit dem man versucht das Klima ein bisschen liebevoller zu behandeln und in dem Fall einen Abenteuerurlaub drauszumachen, der gut fürs Klima ist.
00:13:05: Das ist wunderbar!
00:13:07: Vielen, vielen herzlichen Dank für deinen Besuch dass du hier bei mir im Podcast warst und uns das Thema Wasser nähergebracht hast.
00:13:17: Wasser ist Leben wenn ich dich nochmal rezipieren darf und bei dir wirklich im wahrsten Sinne des Wortes
00:13:23: Und das liegt auch in unserer eigenen Hand, ob und wie Wasser zum Luxus gut wird.
00:13:28: Also wir sind jetzt nicht Opfer die zur Schlachtbank geführt werden sondern wir haben da ganz viel selbst an der Hand, wie wir unsere Zukunft hier aktiv gestalten?
00:13:37: Dann
00:13:37: werden wir aktiv!
00:13:39: Liebe Zuhörende, Aktivwerden heißt ja uns zuhören bitte.
00:13:43: gerne auch bei der nächsten Folge hier beim Klima-Quickie fünfzehn Minuten kurz knapp und klimafreundlich Reden wir übers Klima, das was uns alle betrifft.
00:13:54: Und auch in der nächsten Folge vielleicht sogar wieder mit einem kleinen Aha-Moment – ich freue mich!
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